Oldtimer-Zulassung, Steuer & Versicherung

Oldtimer Zulassung

Oldtimer-Zulassung, Steuer & Versicherung

Kfz-Steuer und -versicherung machen einen relevanten Teil der Unterhaltskosten eines Klassikers aus. Je nach Zulassungsart fallen diese unterschiedlich aus. Und je nach Nutzung des Old-/Youngtimers kann hier der vorhandene Spielraum zur Kosten-Optimierung genutzt werden. Hier eine Hilfestellung für Deine Wahl…

 

Verschiedene Zulassungsarten

Deinen Wagen kannst Du wie einen herkömmlichen Pkw ganz normal anmelden. Liegt die Erstzulassung mindestens 30 Jahre zurück und liegt ein entsprechendes Gutachten vor, so kannst Du ihn ggf. auch mit dem sog. H-Kennzeichen anmelden. Das ist eine sehr beliebte Variante.

Insb. Besitzer mehrerer Klassiker und Sammler können ihre Fahrzeuge auch mit dem roten 07er-Kennzeichen – quasi dem Wechselkennzeichen für Oldtimer – bewegen. In diesem Fall stehen die Klassiker die meiste Zeit auf privatem Grund (z.B. in einer abgeschlossenen Halle) und nur zu besonderen Anlässen darf die rote Nummer für die Fahrt mit jeweils einem einzelnen Fahrzeug aus dem Fuhrpark genutzt werden.

Relativ neu ist das allgemeine Wechselkennzeichen, das nicht nur für klassische, sondern auch in Kombination mit einem weiteren modernen Fahrzeug genutzt werden kann. Hierbei kann ebenfalls immer nur ein Fahrzeug aktiv genutzt werden, das andere muss in der Garage bleiben.

 

Sonderfall: Das H-Kennzeichen

Das historische Kennzeichen (kurz: H-Kennzeichen) wurde für Fahrzeuge mit einem Alter von über 30 Jahren eingeführt, um das Kulturgut von historischen Fahrzeugen wertzuschätzen und zu pflegen und wurde mit gewissen Vorteilen gegenüber anderen Kennzeichen bedacht. Zur Erlangung der H-Zulassung muss die Erstzulassung mindestens 30 Jahre zurückliegen und das Fahrzeug muss gewissen Ansprüchen an Zustand und Originalität entsprechen. Das wird durch unabhängige Prüforganisationen wie Dekra, TÜV, GTÜ etc. durch ein spezielles Gutachten gemäß §23 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) überprüft. Mit dem Gutachten in der Tasche kann das H-Kennzeichen im zuständigen Amt beantragt werden. Erkennen kann man das Kennzeichen am typischen Buchstaben „H“ am Ende des Kennzeichens.

 

Vor- und Nachteile der verschiedenen Zulassungsarten

H-Kennzeichen

Das H-Kennzeichen ist sehr beliebt bei den Oldtimer-Besitzern. Fahrzeuge mit einem solchen Kennzeichen können das ganze Jahr genutzt werden, sind mit pauschalen 191 Euro Kfz-Steuer p.a. – unabhängig vom Hubraum – steuerlich begünstigt und haben freie Fahrt in die Umweltzonen in den Städten und ins Ausland. Man braucht für die Zulassung allerdings das oben erwähnte gesonderte Gutachten und das Kennzeichen ist für Youngtimer unter 30 nicht zu haben.

Rotes 07er-Nummernschild

Auch dieses Kennzeichen erfordert ein gültiges Oldtimer-Gutachten. Darüber hinaus wird ein polizeiliches Führungszeugnis gefordert. Mit der roten Nummer bieten sich bei mehreren Fahrzeugen Kostenvorteile bei der Steuer. Es wird nur einmal jährlich für die am höchsten eingestufte Fahrzeugkategorie Steuer fällig – für die weiteren Fahrzeuge muss also keine Kfz-Steuer entrichtet werden. Für die Fahrzeug-Papiere können Zulassungsbeamte allerdings ordentlich hinlangen und teilweise hohe und unterschiedliche Beträge für z.B. das Fahrzeugscheinheft und das Fahrtenbuch verlangen. In der Theorie sind entsprechende Fahrzeuge auch von der Hauptuntersuchung befreit. Allerdings können Fahrzeuge mit der roten Nummer ausschließlich eingeschränkt zu Überführungs-, Test- und Wartungsfahrten sowie zur Teilnahme an Klassik-Veranstaltungen – wie z.B. Oldtimer-Rallyes – bewegt werden. Fahrten ins Ausland sind ggf. auch schwierig. Außerhalb der aktiven Nutzung dürfen die Fahrzeuge nicht auf öffentlichem Grund abgestellt werden, d.h. es ist zwingend eine private Abstellmöglichkeit von Nöten. Für Daily-Driver und den Otto-Normal-Oldtimer-Fahrer ist diese Zulassungsart also nicht geeignet.

Wechselkennzeichen

Beim Wechselkennzeichen können sich zwei Autos derselben EU-Fahrzeugklasse das Nummernschild quasi teilen. Es gibt einen Hauptteil des Schildes, das jeweils vom einen zum anderen Fahrzeug gewechselt werden muss. Jedes Fahrzeug hat einen festen kleinen Teil des Schildes mit der individuellen Fahrzeugnummer (z.B.“1“) und der HU-Plakette. Während Du mit dem einen Wagen unterwegs bist, muss das andere in der Garage bleiben bzw. darf nicht auf öffentlichem Grund abgestellt werden. Kfz-Steuer und HU werden bei beiden Autos ganz normal fällig, allerdings kann man ggf. bei der Versicherung sparen. Da nie beide gleichzeitig unterwegs sind, bieten Versicherer unter Umständen jeweils (leicht) günstigere Tarife an. Das Wechselkennzeichen hat sich bis dato jedoch nicht wirklich durchgesetzt. Offensichtlich überwiegen die Vorteile nicht.

 

Option: Das Saison-Kennzeichen

Auch Fahrer von Youngtimern bzw. anderen freizeitorientierten Spaßautos können Geld sparen, wenn die Fahrzeuge nicht das ganze Jahr über genutzt werden. Bei Cabriolets oder wertvollen Klassikern wird ohnehin oft auf den Wintereinsatz verzichtet. Dann wird ein Saisonkennzeichen sinnvoll. Erkennbar ist das Kennzeichen an dem Zusatz des Zulassungszeitraums am Ende des Kennzeichens. Wird der Wagen z.B. nur von April bis Oktober aktiv genutzt und zugelassen, so steht auf dem Kennzeichen „04-10“. Vorteil ist, dass nur für die aktive Nutzungszeit Kosten für Steuer und Versicherung anteilig anfallen, jedoch auch im passiven Zeitraum Versicherungsschutz besteht. In dieser passiven Zeit darf das Fahrzeug allerdings nicht in Betrieb genommen werden und muss sicher auf nicht öffentlichem Grund abgestellt werden. Das Saison-Kennzeichen ist seit einiger Zeit auch in Kombination mit dem H-Kennzeichen möglich.

 

Die Klassiker-Versicherung

Meist ist diese günstiger, als normale Kfz-Versicherungen. Die Auswahl ist groß und die Leistungen und Versicherungsbedingungen sind unterschiedlich. Vergleichen und Abgleichen mit den eigenen Erwartungen lohnt sich also. Spezielle Klassiker-Versicherungen gibt es bei Spezialisten und den meisten großen Versicherern. Oft sind Klassik-Versicherungen schon unter einem Fahrzeugalter von 30 Jahren möglich (manchmal ab 20, manchmal ab 25 Jahren). Anforderung ist meinst ein vorhandener Alltagswagen und eine begrenzte Kilometerleistung pro Jahr.

Die Versicherung setzt sich wie bei anderen Automobilen aus Haftpflicht- und Kasko-Police zusammen. Bei einem gewissen Fahrzeugwert und Schutzbedürfnis für das Schätzchen ist eine (Voll-)Kasko-Versicherung sehr zu empfehlen. Die Beitragshöhe der Kaskoversicherung orientiert sich am Fahrzeugwert. Teilweise reichen hier plausible Selbsteinschätzungen bis zu einen gewissen Fahrzeugwert aus. Bei höherwertigen Klassikern – bei machen Versicherungen generell – ist ein Wertgutachten (Kurzgutachten ausreichend) nötig. Dieses kann man z.B. über einen Classic Data Gutachter oder das ADAC-Prüfzentrum erstellen lassen. Mit 150 Euro ist das in der Regel machbar.

Zu achten ist bei der Versicherung auf konkrete Leistungsbestandteile, da diese stark variieren können. Welcher Fahrzeugwert wird im Zweifel ersetzt? Der Wiederbeschaffungswert liegt i.d.R. höher als der Marktwert. Ein sog. „Allgefahrenschutz“ oder eine „All-Risk-Deckung“ deckt auch weitere mechanische Schäden am Fahrzeug ab, nicht nur die üblichen Schäden aus Unfall, Diebstahl, Vandalismus etc. Auch jährliche Laufleistung und die Höhe der Selbstbeteiligung beeinflussen den Versicherungsbeitrag.

 

 

Checkliste

  • Informieren: Welche Zulassungsarten gibt es für meinen spezifischen Wagen?
  • Vor– und Nachteile: Jede Zulassungsart hat etwas für sich, jedoch meist auch Einschränkungen – wäge diese ab.
  • Die richtige Zulassung: Normale Anmeldung, rote Nummer, H-Kennzeichen – was geht und passt für meinen (jungen) Klassiker?
  • Steuer: Wie wirkt sich die jeweilige Zulassung auf meine Kfz-Steuer aus?
  • Saisonkennzeichen: Nutze ich den Wagen das ganze Jahr oder nur zeitweise? Kann ich mit einer zeitweisen Zulassung sparen?
  • Versicherung: Haftpflicht, Teil- oder Vollkasko? Prüfe genau die verschiedenen Leistungsbestandteile und gleiche mit Deinen Anforderungen ab!
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