Tipps für den Oldtimer-Kauf

Oldtimer Historie

Tipps für den Oldtimer-Kauf

Der Kauf eines Klassikers unterscheidet sich – trotz vieler Parallelen – vom Kauf eines jungen Gebrauchtwagens. Worauf es ankommt, zeigen wir hier:

Das richtige Modell

Zuerst einmal ist es wichtig, dass Du das passende Modell findest, das zu Dir passt. Das kann ein langer Weg sein…

„Welcher Old-Youngtimer ist der richtige für mich?“. Hast Du Dich festgelegt und ein passendes Modell im Auge, hier ein paar Tipps, damit Du Deinen Kauf nicht bereust.

Das richtige Auto finden und kennenlernen

Damit Du einen guten Kauf tätigen kannst, informiere Dich gut zum Fahrzeugtyp. Dabei sind insb. typische Schwachstellen, aktuelle Marktwerte und seriöse Quellen relevant. Nimm Dir dafür ausreichend Zeit!
Reichlich Angebot gibt es auf den einschlägigen Online-Plattformen wie mobile.de und autoscout24.de, bei Kleinanzeigen und über Inserate in Fachmagazinen. Auch überregional bekannte, renommierte Klassik-Händler, Verkaufsmessen und Auktionen bieten Möglichkeiten. Modelltypische Schwachstellen der Fahrzeugreihe kannst Du über Kaufratgeber, Testberichte, Marken-Clubs, Foren oder Fachleute herausfinden. Marktwerte sowie deren Entwicklung ermittelst Du am besten über Klassik-Magazine oder Datenbanken wie Classic Analytics. Damit hast Du ein gutes Bild, worauf Du achten solltest und wie Du Fahrzeuge findest. Jetzt kannst Du zum nächsten Schritt übergehen und Dir verschiedene konkrete Autos ansehen. Und auch dabei gilt es einige Dinge zu beachten…

Die Historie

Oldtimer HistorieWichtig für den Wert eines Klassikers und somit für Wertstabilität und ggf. -zuwachs ist eine gut dokumentierte Fahrzeug-Geschichte. Sie ist auch ein guter Indikator für die technische Pflege in der Vergangenheit.
Sind km-Stand und Wartungen durchgehend und glaubhaft dokumentiert? Ideal sind ein gut geführtes originales Serviceheft und/oder Originalrechnungen sowie weitere Dokumente wie alte Kaufverträge und Kfz-Briefe. Bei größeren Instandsetzungen oder Restauration ist eine entsprechende Fotodokumentation wichtig. Stimmen die Aussagen des Verkäufers mit den Dokumenten überein und sind die Angaben glaubhaft? Auch die Laufleistung fließt in den Fahrzeugwert ein. Allerdings muss ein Klassiker auch bewegt werden – zu wenig km und lange Standzeiten können auch nachteilig sein.

Originalzustand

Oft ist von „unverbasteltem Originalzustand“ die Rede. Und in der Tat werden originale Fahrzeuge höher bewertet als nachlackierte Wägen mit fragwürdigen Umbauten oder gar Tuning-Sünden. Wenn Veränderungen vorgenommen wurden, sollten diese zeitgenössisch sein, nicht zuletzt, wenn es um eine Oldtimer Kaufberatungspätere H-Kennzeichen-Abnahme geht. Unfallfreiheit kann z.B. durch
Überprüfung von Lackierung und Verschraubungen der Karosserie und von Anbauteilen geprüft werden. Nachlackierungen oder Spachtelarbeiten nach Rostbefall kann man durch die Messung der Lackdichte auf die Spur kommen. Farbcodes und Kennzeichnungen am Fahrzeug sollten mit der Farbdokumentation in den Papieren übereinstimmen. Umlackierungen auf Nicht-Original-Farben sind in der Regel wertmindernd. Das waren insb. optische Komponenten – aber es zählen auch originale technische Bauteile. Auch wenn es sich um kein klassisches „Matching-Numbers“-Fahrzeug handelt (d.h., dass die Nummern von Motor/Getriebe mit der der Karosserie übereinstimmen und dieselben wie bei der Auslieferung sind), so sollte man auch bei Mechanik und Elektronik auf Originalteile setzen.

Begutachtung vor Ort

Das Wunsch-Auto muss vor Ort und sehr genau unter die Lupe genommen werden. Ist es komplett und in einem guten Allgemeinzustand? Ersatzteile, auch wenn noch so klein, können vergriffen oder unfassbar teuer sein. Wie steht es um Karosserie, Lack, Interieur und Technik? Funktioniert alles (Schalter, Lichter, Lüftung etc.)? Nicht nur von oben, sondern auch den Unterboden betrachten! Bei der Probefahrt muss sich der Wagen gut anfühlen und -hören. Nutze Dein „Popometer“ um ein Gefühl zu entwickeln. Klappernde oder unübliche Geräusche können Indikatoren für technische Mängel sein. Kleine Abstriche bei Optik oder Technik kann man ggf. in Kauf nehmen und nach und nach optimieren. Sind gravierende Mängel an mehreren „Fronten“ sichtbar, wird der Wagen schnell zur Sparbüchse und wird sehr wahrscheinlich nie der Traumwagen werden, den Du Dir vorstellst. Am besten Du siehst Dich nach einem besseren Vertreter Deines Wunsch-Modells um.
Checke den Motorraum: Ist er in einem ehrlichen Zustand oder aufpoliert? Das könnte Verschleierungstaktik sein. Gibt es Öl-Lecks oder fehlende Komponenten? Im Innenraum: Sind alle Schalter vorhanden und funktionieren diese? Achte auf Details und überprüfe die modell-typischen Schwachstellen, die Du über Deine Recherche herausgefunden hast. Für zukünftige Klassiker-Besitzer, besonders wenn sie keine Bastler sind, empfiehlt sich ein gepflegter Zustand (Zustand 2 – d.h. guter, mängelfreier Zustand mit maximal leichten Gebrauchsspuren und technisch einwandfrei). Zumindest sollten keine größeren optischen und technischen Mängel vorliegen und das Fahrzeug muss voll einsatzfähig sein.

Ist alles rechtens?

Passt der Zustand zu den Daten in der Dokumentation? Z.B. 100.000 km auf der Uhr passen nicht zu stark abgegriffenem Lenkrad und Pedalerie. Auch auffallend neue Teile, die nicht zum Abnutzungsgrad des restlichen Fahrzeugs passen können Indizien sein.
Sind alle nötigen Papiere vorhanden und korrekt? Prüfe die Fahrgestell-/Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) in den verschiedenen Belegen und an der Karosserie – gibt es eine Übereinstimmung der Papiere mit alten Rechnungen und an den verschiedenen Stellen im Fahrzeug und sind diese nicht manipuliert? Bei US-Fahrzeugen kann ein sog. Carfax helfen die Unfallfreiheit festzustellen. Ist der Wagen tatsächlich im Eigentum des Verkäufers?

Objektive Bewertung

Der Kauf eines Klassikers ist ein emotionaler Akt. Damit die Vorfreude nicht blind macht und Du wichtige Hinweise übersiehst, nimm am besten einen Experten mit zur Besichtigung. Fachleute können die Bewertung zudem deutlich qualifizierter vornehmen, als Laien. Ist keiner verfügbar hilft zumindest ein weiteres, neutrales Augenpaar mit einem unvoreingenommenen Blick. Auch ein Gutachten eines Sachverständigen (z.B. über Classic Data) kann beim Kauf beruhigen. Oldtimer Bewertung Das kostet nicht viel und wird ggf. ohnehin vom Versicherer zur Wertfeststellung gefordert. Ggf. noch zusätzlich einen Gebrauchtwagencheck machen lassen (dieser zielt weniger auf Wert und optischen Zustand ab, sondern überprüft die Technik). Am besten Du sorgst dafür, dass Du Deinen Wagen mit frischer Hauptuntersuchung (TÜV, Dekra, GTÜ etc.) übernimmst, das stellt sicher, dass ein gewisser technischer Zustand vorliegt und der Wagen sofort einsetzbar ist.

Nicht gleich kaufen

Erst Probefahrt, dann reiflich überlegen und erst dann entscheiden und kaufen! Vorteil: Du tätigst keinen hastigen Spontankauf, der sich danach vielleicht als Fehlkauf herausstellt. Vermeintliche Schnäppchen haben meist einen Haken. Schlafe einmal drüber. Ein zweiter, frischer Blick auf das Fahrzeug vor Kauf bringt oft nochmal weitere Details und Mängel zum Vorschein. Bei einem gewerblichen Händler gibt es Gewährleistung und manchmal ist sogar eine Garantie möglich. Oft werden Klassiker auf Kommission, durch Vermittler und unter Ausschluss der Gewährleistung auch durch Händler angeboten. Du musst Dir überlegen, ob das für Dich in Ordnung ist. Beim Privatkauf gibt es das sowieso nicht. Grundsätzlich spielt die Vertrauenswürdigkeit des Verkäufers eine wichtige Rolle. Prüfe den Kaufvertrag in Ruhe und lass Dich nicht drängen. Passt alles, mach den Sack zu!

Bezahlung und Übergabe

Barzahlung ist der Klassiker und für beide Seiten meist die beste Möglichkeit. Überweisen ist kritisch zu betrachten. Eine treuhänderische Kaufverwaltung ist möglich, jedoch hat sich hier noch kein Standard richtig durchgesetzt.
Kläre vor dem Übergabe-Termin, wie Du den Wagen überführen kannst. Ist der Wagen noch angemeldet, hast Du eine rote Nummer oder einen Anhänger zur Verfügung? Sonst ist ein Kurzzeitkennzeichen sinnvoll, mit dem Du das Auto überführen kannst.
Begutachte vor der Übernahme das Fahrzeug nochmals abschließend. Am besten Du nimmst jemanden zur Übergabe als Zeugen mit und lässt Dir den Erhalt des Kaufpreises durch den Verkäufer schriftlich bestätigen. Gegen die Bezahlung unbedingt Papiere inkl. Original-Brief aushändigen lassen!

Checkliste

  • Das richtige Auto: Nutze verschieden Quellen, passende Fahrzeuge zu finden und informiere Dich gut!
  • Fahrzeughistorie/ Originalität: Gute Dokumentation und ein möglichst originaler Zustand sind wertvoll.
  • Fahrzeug-Check/ Probefahrt: Schau genau hin und nutze Dein „Popometer“. Noch besser sind ein neutraler Blick und ein professionelles Gutachten.
  • Lass Dich nicht täuschen: Sind das Fahrzeug, der Verkäufer und sind seine Angaben glaubwürdig?
  • Geduld: Schlage nicht gleich zu, überlege Dir den Kauf gut! Schnäppchen entpuppen sich oft als Fehlkäufe.
  • Bezahlung und Übergabe: Kläre vorher die Überführung. Fahrzeug und Papiere gegen Geld!
Lenkszene

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